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Entscheiden?

Welche Entscheidung ist (über)fällig?

Hinterher bin ich oft schlauer. Ja, es hatte Anzeichen gegeben, dass es auch schief gehen könnte. Aber die wollte ich in dem Moment nicht wahrhaben. Durchströmt von Optimismus und Begeisterung sah ich den Erfolg schon vor mir. Da fiel die Entscheidung leicht…

Andere Male hingegen zaudere ich, überlege hin und her. Der Kopf ist klar, aber das Herz spricht anders. Wem von beiden soll ich Glauben schenken?

Entscheidungen….

Wie treffen wir Entscheidungen? Welche Rolle spielt unsere Intuition, welche unsere Ratio? Welchen typischen „Verzerrungen“ unterliegen wir dabei und warum? Mit diesen Fragen hat sich der Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahneman sehr ausführlich befasst. Es ist ein höchst komplexes Thema, das er in seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ auf mehr als 600 Seiten anschaulich und umfassend erläutert.

Zwei Systeme

Zwei Systeme

Kahneman spricht in seinem Buch (bewusst einfach ausgedrückt) von zwei „Systemen“. System 1 ist unser Autopilot, es arbeitet automatisch, weitgehend mühelos und ohne dass wir es willentlich steuern können. System 2 ist der Pilot, der dann aktiviert wird, wenn wir willentliche Entscheidungen treffen, Berechnungen durchführen, logisch denken möchten. Wie diese beiden Systeme zusammen- oder auch gegeneinander arbeiten, das zeigt Kahneman anhand vieler Studien und Versuchsergebnisse. Ihre Wirkungsweise und ihr Zusammenspiel beeinflussen unsere Entscheidungen – weit mehr, als wir es oft wahrnehmen und wahrhaben möchten.

An dieser Stelle möchte ich einzelne Punkte herausgreifen, die mich besonders beeindruckt haben, und sie kurz skizzieren. Für weitere Informationen empfehle ich die Lektüre des Buches.

Kognitive Leichtigkeit
System 1 ist immer aktiv. Es scannt durchgehend das Umfeld, prüft, ob alles vertraut und sicher wirkt und ob der Grad der Aufmerksamkeit ausreicht. Ist dem so, empfindet das System 1 „kognitive Leichtigkeit“. Damit fühlen wir uns, salopp gesagt, wohl. Irritiert uns etwas, vermutet das System 1 eine Bedrohung oder Unstimmigkeit, springt das System 2 an. Das kostet Aufwand und Energie und fühlt sich anstrengend an, nach „kognitiver Beanspruchung“. Diesen Zustand empfinden wir als leicht unangenehm.
Was hat das mit Entscheidungen zu tun? Wenn uns Dinge vertraut vorkommen oder in vertrauter Form präsentiert werden, wenn uns Geschichten erzählt werden, die wir nachvollziehen können, wenn die Wortwahl, Schriftart, Farbe… uns wenig fordert, dann bleiben wir eher in System 1, sind leichtgläubiger, weniger kritisch. Stimmen eher zu, vertrauen mehr, denken möglicherweise über eine Entscheidung nicht genügend nach. Das wird von Verkaufsstrategen gerne genutzt. Es lässt uns auch in vertrauter Situation verharren, selbst wenn es uns eigentlich nicht mehr gut tut, erschwert Veränderungen.

Optimistische Verzerrung
Manchmal fühlen wir uns unbesiegbar. Wir schmieden Pläne, entwickeln Ideen, stellen uns vor, wie wir sie zügig und kraftvoll umsetzen. Der Erfolg scheint zum Greifen nah. Doch im Laufe des Projektes treten Schwierigkeiten auf, die wir nicht einkalkuliert haben. Im Nachhinein merken wir: Ja, die Informationen lagen uns eigentlich auch schon zu Beginn vor. Wir haben sie einfach nur ausgeblendet. Unser System 2 war zu wenig aktiv…
Prinzipiell ist hilfreich – und macht Pioniergeist und Unternehmertum aus – dass wir optimistisch sein können. In positiver / optimistischer Stimmung sind wir kreativer und intuitiver, mutiger und energiegeladen. Aaaaaber: Wir sind weniger aufmerksam und weniger kritisch. Wir überschätzen unsere Fähigkeiten und unterschätzen das Risiko. Missachten Warnsignale und sachliche Hinweise. Kahneman nennt das „optimistische Verzerrung“. Es ist daher extrem hilfreich, so genannte (und meist nicht besonders beliebte) „Bedenkenträger“ im Team zu haben, die zum Innehalten einladen. Oder sich auszumalen, das Projekt wäre grandios gescheitert, und mögliche Gründe dafür zusammenzutragen.

Anker
Versuchsgruppe A wurden folgende Fragen gestellt:
Frage 1: Beträgt die Höhe des größten Küstenmammutbaums mehr oder weniger als 366 Meter?
Frage 2: Wie hoch ist Ihrer Meinung nach der größte Küstenmammutbaum?“
Versuchsgruppe B wurden die gleichen Fragen gestellt, mit einem Unterschied: In der ersten Frage wurde statt 366 Meter 55 Meter genannt.
Und wie lautete jeweils die Antwort auf die 2. Frage? Gruppe A schätzte die Höhe des größten Baums auf 257, Gruppe B auf 86 Meter. Die Zahlen 366 bzw. 55 dienten als „Ankerpunkt“, und dieser Ankerpunkt erzeugte eklatante Unterschiede! Und natürlich wird auch dieser Mechanismus häufig im Verkauf genutzt.

Verlustaversion, versunkene Kosten
Ein Verlust schmerzt mehr als ein Gewinn Freude macht. Betrachten wir folgendes Experiment: Bei einem Münzwurf gewinnen Sie bei Zahl 150 Euro, bei Kopf verlieren Sie 100 Euro. Machen Sie mit? Die meisten nehmen diese Wette nicht an, weil sich der Schmerz über den potenziellen Verlust viel stärker anfühlt als die Freude auf einen potenziellen (höheren) Gewinn.Das hat manchmal auch in Form „versunkener Kosten“ schwerwiegende Auswirkungen. Wenn ich beispielsweise ein Projekt begonnen und schon viel investiert habe, fällt es mir schwer, es aufzugeben, selbst wenn ich die noch benötigten Ressourcen in ein anderes Projekt investieren könnte, das mehr Rendite bringt. Wir kennen das Phänomen als „dem schlechten (= versunkenem) Geld noch gutes hinterherwerfen“.

Aktiv entschieden vs. „ist passiert“, Reue vs. Schicksal
Person A parkt ihr Auto immer auf einem unbewachten Parkplatz. Eine Nacht wird es aufgebrochen. Person B parkt ihr Auto immer in der Garage. Nur ein einziges Mal lässt sie es auf dem unbewachten Parkplatz stehen. Es wird in der Nacht aufgebrochen.
Das Ereignis an sich ist also dasselbe: Das Auto wird aufgebrochen.
Wie bewerten Person A und B das Geschehen? Person A: „Schicksal, passiert.“ Person B: „Hätte ich doch anders entschieden!“ (Reue)
Das lässt uns am Status quo festhalten und Entscheidungen hinauszögern.

Es gibt also viele Punkte, die sich auf unsere Entscheidungen und Entscheidungsfreudigkeit auswirken.

 

Meine Anregungen und Fragen als Download

Unsere Fragen

Unsere Fragen lauten deshalb diesmal:

(Hinweis: ihr könnt sie euch als Team vornehmen)

Welche Entscheidung ist (über)fällig?

Was hast du immer schon so gemacht und fühlt sich deshalb vertraut an, sodass du es als richtig annimmst? Was könntest/solltest du hinterfragen, wo braucht es Veränderung?

Welches Projekt, welches Vorhaben entwickelt sich schlechter als gedacht? Wie viel Ressourcen brauchst du dafür? In welches andere Projekt könntest du diese Ressourcen investieren? Wie viel Erfolgsaussichten, wie viel Rendite hättest du damit? Was hindert dich daran aufzuhören?

Was hast du dir gekauft, brauchst es aber nie und es liegt/steht nur herum? Warum gibst du es nicht weg? Welches Buch liest du trotz Missfallen weiter, weil du ja jetzt schon so viel Zeit investiert hast?

Für welches Projekt, welches Vorhaben steht eine Entscheidung an? Wie stark fühlst du dich, wie optimistisch siehst du deine Chancen? Wie realistisch siehst du Hindernisse und Überraschungen? Wenn du dir vorstellst, du wärst schon ein Jahr weiter und das Projekt wär ein völliger Reinfall geworden – was könnten die Ursachen dafür gewesen sein?

Wo scheust du eine Entscheidung? Wie fühlt es sich an, wenn du dir vorstellst, dich nicht zu entscheiden, und es entwickelt sich zu deinen Ungunsten? Wie fühlt es sich an, wenn du eine Entscheidung triffst und sie entpuppt sich als falsch? Was tut mehr weh und ist das der Grund, warum du nicht entscheidest?

hearty-Card

Kleine Zeichen der Wertschätzung

Manchmal kann man sich, durchströmt von Optimismus, ganz schnell entscheiden. Und erkennt später: Nachdenken wäre hilfreich gewesen.

Diese Karte möge daran erinnern.

Gib die Karte gerne auch an Kolleg*innen weiter oder stell sie im Gemeinschaftszimmer auf.

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