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Ent - täuschen?!?

Der Tag, an dem mich eine Mitarbeiterin enttäuschte.
Und ich eine neue schätzen lernte.

Sieben Jahre hatten wir zu dem Zeitpunkt schon zusammengearbeitet. Klar, es war nicht immer einfach gewesen. Wie es halt so ist im Büro, da gibt‘s auch mal stressige Zeiten. Aber ich meinte schon, sie ganz gut zu kennen. Also dachte ich mir nichts dabei, als sie um einen Termin mit mir bat. Sie wolle etwas besprechen.

„Ich bin jetzt schon lange hier“, eröffnete sie das Gespräch, als wir dann zusammensaßen. Jetzt wurde ich hellhörig. „Die ganze Zeit habe ich Veranstaltungen angelegt, Excel-Listen für andere gepflegt, Buchhaltungsunterlagen zusammengetragen.“ „Ja“, unterbrach ich sie mit mulmigem Gefühl. „Dafür war ich auch immer sehr dankbar!“ „Das weiß ich“, antwortete sie. „Aber darum geht es nicht.“
Sie hielt kurz inne. Und ich die Luft an.

„Ich mag einfach nicht mehr! Listen nerven mich! Ich hasse Excel!“, brach es aus ihr hervor. „Versteh mich nicht falsch – ich arbeite total gerne hier im Team. Deshalb habe ich auch nie was gesagt. Aber auch wenn ich dich jetzt total enttäusche: Es geht einfach nicht mehr.“
Stille.

Meine Gedanken ratterten. Natürlich hatte ich da immer mal auch einen Widerstand gespürt bei ihr. War drüber weggegangen, jede*r hat mal einen schlechten Tag. Und ja, es war in letzter Zeit häufiger vorgekommen. Es hatte mich etwas genervt. Aber nicht genug, um es zum Thema zu machen.

„Was denkst du dazu?“, unterbrach sie meine Gedanken. „Wozu?“, fragte ich irritiert. „Na, dass ich das Unternehmen verlasse. Dann kannst du jemanden suchen, die oder der meine Aufgaben gerne macht.“
Ich dachte nach. „Was fehlt dir denn? Was möchtest du denn stattdessen machen?“
Sie überlegte nicht lange. „Ich möchte mehr mit Menschen zu tun haben. Organisieren. Einen eigenen Aufgabenbereich haben.“

Das ist nun ein Jahr her. Welch eine herbe Enttäuschung.
Und gleichzeitig: Welch eine großartige Ent-Täuschung! Wir haben uns im Team zusammengesetzt und alle Aufgaben zur Disposition gestellt. Und siehe da: Im Nu sortierte sich alles wie von selbst. Sie könnten ihre Excel-Listen selber übernehmen, sagten die einen. Sie würde gerne einen Homeofficetag einlegen und an dem Tag konzentriert Veranstaltungen und Listen pflegen, sagte die andere.

Meine „alte“ Mitarbeiterin ist jetzt meine neue Assistentin. Begleitet mich zu Veranstaltungen, pflegt und erweitert die Kundenkontakte, telefoniert mit großer Begeisterung und Freude. Und was soll ich sagen… Es ist viel besser als vorher. Sie ist aufgeblüht und bringt Fröhlichkeit und Schwung in die Projekte.

Gut, dass sie sich getraut hat, mich zu ent-täuschen! Also zu sagen, was sie WIRKLICH mag, nicht mehr die Rolle der stillen Listen-Lise zu spielen und sich einzupassen.
Und natürlich hat es mich auch nachdenklich gestimmt. Immer wieder einmal überlege ich, wo ICH möglicherweise eine Rolle spiele, weil ich meine, es müsse so sein. Wen ich mal ent-täuschen müsste…

Daher meine Fragen an dich und euch:


Daher meine Fragen an dich und euch:

Wen musst DU ent-täuschen?
Wo spielst du eine Rolle oder machst etwas mit, was du eigentlich nicht willst?
Im Team. In der Familie. Im Freundeskreis. In der Partnerschaft. Im Ehrenamt.

Wen könntest du ermutigen, DICH zu ent-täuschen? Wie kannst du andere dazu einladen, aufrichtig zu sein, Gedanken und Bedürfnisse zu teilen?

Wo und wie könntest du selbst dazu beitragen, ent-täuscht zu werden?

Letztlich auch: Wo musst und darfst du DICH SELBER ent-täuschen?

Und für Teams:
Wie aufrichtig geht ihr miteinander um? Wie könnt ihr euch gegenseitig ent-täuschen?

Wie viel Kraft kostet es euch, Rollen, Aufgabenverteilungen, Bilder aufrecht zu erhalten, weil ihr meint, es müsse so sein?
Was wäre, wenn ihr euch so zeigtet, wie ihr seid?
Wenn ihr euch ent-täuschtet und Klarheit und Leichtigkeit gewännet?

Diese Anregung als Download

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Habt den Mut zu ent-täuschen!

Was wäre, wenn… wir genau das tun, was wir wirklich möchten? Und alle anderen um uns herum auch? Könnten wir damit zufriedener und produktiver sein?! Da sind wir uns ganz sicher!

Diese Karte möge daran erinnern.

Gib die Karte gerne auch an Kolleg*innen weiter oder stell sie im Gemeinschaftszimmer auf.

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