Startseite

Wer?

Wer, wenn nicht du?

Wir streiten, sind wütend auf andere, wünschen uns von ihnen mehr Verständnis. Doch ganz egal, wie der Konflikt mit unserem Gegenüber entstanden ist und wie sehr wir uns im Recht fühlen: Die einzige Person, die ich bewegen kann, den ersten Schritt zu tun, bin ich selbst. Und die Person, der es am meisten nutzt? Genau, bin auch ich selbst!

 

Mein Mann ist ein vorsichtiger Autofahrer. Ich fahre eher zügig. Wir hatten uns auf einer gut ausgebauten, zweispurigen Straße einer Ampel genähert. Rechte Fahrbahn: mehrere Laster und PKW. Linke Spur: frei. Mein Mann war trotzdem auf der rechten Spur geblieben. Das hatte mich kribbelig gemacht. Wie viel schneller kämen wir links voran! Gefühlt freundlich hatte ich daher vorgeschlagen: „Fahr doch links, da ist alles frei.“ Er hatte nur gebrummelt. Ich probierte es nochmal: „Du kannst rüberziehen, da ist keiner und links kommen wir schneller voran.“ „Lass mich bitte so fahren, wie ich es möchte“, war seine ärgerliche Antwort gewesen, auf der rechten Spur verharrend. Beleidigt hatte ich mich zurückgelehnt und ab da geschwiegen. Sollte er doch machen, was er will. Auf meine Unterstützung brauchte er nicht mehr zu zählen…

Dieser Vorfall ereignete sich vergangene Woche. An dem Tag tat ich nach außen freundlich, war aber distanziert und innerlich verletzt. Wegen einer solchen Kleinigkeit? Ja, wegen einer solchen Kleinigkeit! Und mal Hand aufs Herz: Wie häufig resultieren Streits und Entzweiungen aus banalen Anlässen?! Und typischerweise fühlt sich jede*r im Recht und fordert oder wünscht sich, dass der/die andere sich entschuldigt, einlenkt, entgegenkommt.

Empathie

"Schlecht-Wetter“-Empathie

Die einzige Person, die ich bewegen kann, den ersten Schritt zu tun, bin jedoch ich selbst. Ich möchte das mal „Schlecht-Wetter“-Empathie nennen. Nicht leicht! „Gut-Wetter“-Empathie ist ja schon eine ordentliche Übung, also Empathie in Situationen, die uns nicht triggern. Wir wenden unsere Aufmerksamkeit dabei weg von der Geschichte hin zum Geschichten-Erzähler oder Erzählerin. Wir hören hin, ohne zu kommentieren, zu werten oder Lösungen anzubieten. Wir versuchen nachzuvollziehen, was die andere Person für Sorgen oder Ängste haben könnte, fragen nach, ob wir es richtig verstanden haben. Wir sprechen der anderen Person „aus der Seele“.

Und das soll ich tun, wenn ich selbst ärgerlich oder verletzt bin??

Ja, genau. Eine große Übung! Und nach meinem Gefühl der beste, wenn nicht sogar einzige Weg, wie Zwistigkeiten bereinigt werden können.

Wie ging es bei mir weiter? Ich nutzte eine Redewendung, die ich von Brené Brown gelernt habe. „Die Geschichte, die ich mir erzähle“, eröffnete ich abends das Gespräch, um gleich deutlich zu machen, dass das folgend Gesagte nur MEINE Sicht und Wahrnehmung der Dinge sein würde. „Die Geschichte, die ich mir erzähle, ist, dass du Hilfe von mir ablehnst. Dadurch fühle ich mich als Person abgelehnt. Das tut mir weh und dann zieh ich mich zurück.“

Mein Mann schaute mich nachdenklich an. „Die Geschichte, die ICH mir erzähle“, nahm er den Gesprächsfaden auf, „ist, dass du ungeduldig warst und genervt von meinem Fahrstil. Ich habe es nicht als Hilfe empfunden, sondern als Nörgeln.“ Das piekte mich ein wenig. Ich atmete durch. Schlecht-Wetter-Empathie! „Und das hat dich geärgert?“, fragte ich. „Geärgert erst im zweiten Moment. In erster Linie hat es mir Gefühl gegeben, falsch zu sein. Ich habe mich wie damals als kleiner Junge gefühlt, wenn meine Mutter mich wieder einmal zurechtgewiesen hatte und dann mit Augenverdrehen seufzte, dass ich zu verträumt sei und es nie zu etwas bringen würde.“ „Und das tat weh…?“ „Ja, das Gefühl, das dabei hochkam, war unangenehm. Da konnte ich nicht anders, als patzig zu reagieren.“ Das konnte ich nachvollziehen. „Dann verstehe ich das jetzt besser. Und wenn ich ganz ehrlich bin, war ich auch ungeduldig und wollte dich ‚anschieben‘. Ich versuche in Zukunft, gelassener zu sein – ich weiß ja, wir kommen so oder so ans Ziel. Und wenn es mir mal nicht gelingt: Magst du mich dann liebevoll darauf hinweisen?“ „Klar, du Rennmaus“, lachte mein Mann. Und alles war gut.

So einfach! Aber eben nicht leicht…

Frage dich:

Kennst du solche Situationen? Magst du mal näher hinschauen?

Unsere Fragen lauten deshalb diesmal:

·         Mit wem liegst du aktuell im Klinsch? Wem grollst du? Von wem fühlst du dich verletzt, herabgesetzt, abgelehnt?

·         Was wünscht du dir von der-/demjenigen?

·         Was, wenn DU genau DAS der anderen Person gäbest?

·         Welche Geschichte erzählst du dir dazu? Welche Geschichte könnte sich die andere Person erzählen?

·         Unabhängig davon, was die andere Person gemacht hat:
Was hat deine Reaktion darauf mit DIR zu tun? Warum bist du überhaupt gekränkt? Was geht in dir vor, warum fühlst du dich abgelehnt, nicht gesehen oder gehört, nicht geliebt? Was wäre, wenn du dir selbst das geben könntest, was du dir von den anderen wünschst?

·         Mit wem kannst du das Gespräch suchen, um Streit beizulegen? Vielleicht auch mit „Die Geschichte, die ich mir erzähle…“ starten? Und wenn diese Person erst nochmal ärgerlich, bockig, verletzt reagiert – magst du mal Schlecht-Wetter-Empathie üben?

·         WER, wenn nicht DU?!

Unsere Anregungen und Fragen als Download

hearty-Card

Kleine Zeichen der Wertschätzung

Manchmal sind es bloß Banalitäten, wegen denen wir uns zanken. Da fällt das "wieder aufeinander zugehen" nicht allzu schwer. Doch auch bei ernsthaften Entzweiungen geht es nur wieder einen Schritt vorwärts, wenn einer von beiden dazu bereit ist, ihn zu tun.

Diese Karte möge daran erinnern. Denn es gibt kaum was befreienderes, als wieder "fein" miteinander zu sein : )

Postkarte bestellen

hearticon downloaden

Jahresübersicht

Jahresübersicht


Sie möchten sich die Anregungen aus den anderen Monaten diesen Jahres anschauen?

Dann klicken Sie einfach auf das entsprechende hearticon:

 

 

Januar 2019
Februar 2019
März 2019
April 2019
Mai 2019
Juni 2019
Juli 2019
August 2019
September 2019
Oktober 2019
Mitmachen